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Ratgeber · Arbeitsmarkt

35 Prozent der Stellenanzeigen duzen dich. Darfst du zurückduzen?

BewerbungGPT hat 15.866 Stellenanzeigen ausgezählt: 35 Prozent duzen, 54 Prozent siezen. Dahinter stecken zwei Arbeitswelten, die sich auch bei Gehalt, Homeoffice und Quereinstieg unterscheiden. So triffst du die Anrede im Anschreiben.

Herausgegeben von Maciej Giedzinski · 18. Oktober 2026 · 8 min Lesezeit

„Du passt zu uns, wenn …“ steht heute in mehr als jeder dritten Stellenanzeige. Von 15.866 Anzeigen aus der Jobbörse der Bundesagentur, die BewerbungGPT Anfang Oktober ausgezählt hat, duzen 34,8 Prozent, 54 Prozent siezen, und rund jede zehnte spricht niemanden direkt an. Wer sich bewirbt, steht damit vor einer Frage, die kein Ratgeber pauschal beantworten kann: Zurückduzen oder nicht?

Die Daten geben eine klarere Antwort, als man denkt. Das Du folgt der Branche, dem Bundesland und dem Beruf, und es hängt mit anderen Dingen zusammen, die dir bei der Stellenwahl helfen.

Die Zahlen in Kürze

  • Von 15.866 Stellenanzeigen aus 135 Berufen duzen 34,8 Prozent die Bewerber, 54 Prozent siezen, rund 10 Prozent sprechen niemanden direkt an. Quelle: Stellenanzeigen-Analyse 2026 von BewerbungGPT, Stand 3. Oktober 2026.
  • In Marketing, Medien und Design duzen 56,9 Prozent der Anzeigen, in Gesundheit und Pflege 23,9 Prozent. In Hamburg duzt jede zweite Anzeige (50,3 Prozent), in Sachsen-Anhalt jede vierte (24,9 Prozent). Quelle: ebenda.
  • Die Bereiche, in denen das Sie dominiert, sind zugleich die größten Arbeitgeber: Bei öffentlichen Dienstleistern, in Erziehung und Gesundheit arbeiteten 2025 rund 12,4 Millionen Erwerbstätige, 27 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland. In Information und Kommunikation, wo fast jede zweite Anzeige duzt, waren es 1,6 Millionen. Quelle: Destatis GENESIS 81000-0123, Jahr 2025.

Wo das Du die Regel ist und wo die Ausnahme

Die Anrede ist kein Zufall und keine Modefrage einzelner Personalabteilungen. Sortiert man die Anzeigen nach Fachbereichen, entsteht eine klare Treppe. Oben stehen Marketing, Medien und Design mit 56,9 Prozent Du-Anteil und die Anzeigen für Einsteiger und Wechsler mit 52,4 Prozent. IT und Daten liegen bei 46 Prozent, Verkauf und Kundenkontakt bei 41,5 Prozent, Logistik und Transport bei 41,2 Prozent, Gastronomie und Hotel bei 39,9 Prozent. Dann folgt ein Sprung nach unten: Handwerk und Technik 37,5 Prozent, Finanzen und Zahlen 29,5 Prozent, Büro und Organisation 27,8 Prozent, Erziehung und Soziales 26,1 Prozent, Gesundheit und Pflege 23,9 Prozent.

Balkendiagramm: Anteil der Stellenanzeigen, die duzen, nach Fachbereich, von 56,9 Prozent in Marketing, Medien und Design bis 23,9 Prozent in Gesundheit und Pflege

FachbereichAnzeigen duzenAnzeigen siezen
Marketing, Medien und Design56,9 %33,1 %
Einstieg und Wechsel52,4 %40,3 %
IT und Daten46,0 %43,5 %
Verkauf und Kundenkontakt41,5 %44,7 %
Logistik und Transport41,2 %47,6 %
Gastronomie und Hotel39,9 %47,4 %
Handwerk und Technik37,5 %53,5 %
Finanzen und Zahlen29,5 %64,6 %
Büro und Organisation27,8 %64,2 %
Erziehung und Soziales26,1 %59,7 %
Gesundheit und Pflege23,9 %61,3 %

Auf Ebene der Berufe wird daraus ein Gefälle von fast 80 Punkten. Anzeigen für Online-Marketing-Manager duzen zu 80,5 Prozent, für Verkäufer zu 73,3 Prozent, für Kassierer zu 68,7 Prozent, für IT-Consultants zu 67,3 Prozent und für Köche zu 66,7 Prozent. Am anderen Ende stehen Berufe mit Approbation, Amt oder Aktenzeichen: Anzeigen für Assistenzärzte duzen zu 3,5 Prozent, für Wohnbereichsleitungen und Buchhändler zu 5 Prozent, für Psychologen zu 6,8 Prozent, für Justizfachangestellte zu 8,8 Prozent.

Nord duzt, Ost siezt

Auch zwischen den Bundesländern liegen 25 Punkte. Hamburg führt mit 50,3 Prozent, es folgen Schleswig-Holstein mit 39,9 Prozent, Niedersachsen mit 38,3 Prozent, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern mit je 38,1 Prozent. Die vier niedrigsten Werte liegen alle im Osten: Sachsen und Thüringen mit je 30,3 Prozent, Brandenburg mit 27,8 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 24,9 Prozent. Bayern (32,3 Prozent) und Baden-Württemberg (33,1 Prozent) liegen unter dem Bundesschnitt.

BundeslandAnzeigen duzen
Hamburg50,3 %
Schleswig-Holstein39,9 %
Niedersachsen38,3 %
Nordrhein-Westfalen38,1 %
Mecklenburg-Vorpommern38,1 %
Baden-Württemberg33,1 %
Bayern32,3 %
Sachsen30,3 %
Thüringen30,3 %
Brandenburg27,8 %
Sachsen-Anhalt24,9 %

Ein Teil davon ist Branchenmix: Hamburg hat viele Anzeigen aus Medien, Handel und Logistik, Sachsen-Anhalt viele aus Pflege und Verwaltung. Aber auch innerhalb derselben Berufe bleibt der Abstand sichtbar. Wer sich zwischen Hamburg und Halle bewirbt, sollte beide Anzeigen genau lesen und nicht einen Text für beide schreiben.

Die großen Arbeitgeber siezen

Das Du wirkt in der öffentlichen Wahrnehmung wie der neue Normalfall, weil die lautesten Anzeigen aus Marketing, Start-ups und Handel kommen. Gemessen an der Zahl der Beschäftigten ist das Gegenteil richtig. Nach den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen arbeiteten 2025 in Deutschland 45,9 Millionen Erwerbstätige. Davon entfielen 12,4 Millionen, also 27 Prozent, auf öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit. Das sind genau die Bereiche, in denen unsere Anzeigen-Analyse die niedrigsten Du-Anteile findet: 23,9 Prozent in Gesundheit und Pflege, 26,1 Prozent in Erziehung und Soziales.

Wirtschaftsbereich (Destatis)Erwerbstätige 2025Zugeordnete Fachbereiche der AnzeigenAnzeigen duzen
Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit12,4 MillionenGesundheit und Pflege, Erziehung und Soziales23,9 % bis 26,1 %
Handel, Verkehr, Gastgewerbe10,0 MillionenVerkauf, Logistik, Gastronomie39,9 % bis 41,5 %
Information und Kommunikation1,6 MillionenIT und Daten, Marketing und Medien46,0 % bis 56,9 %

Handel, Verkehr und Gastgewerbe mit 10,0 Millionen Erwerbstätigen liegen in der Mitte: Dort duzen rund zwei von fünf Anzeigen. Information und Kommunikation, der Bereich mit dem höchsten Du-Anteil, beschäftigt 1,6 Millionen Menschen, 3,4 Prozent aller Erwerbstätigen. Anders gesagt: In den Branchen, in denen jede zweite Anzeige duzt, arbeiten 1,6 Millionen Menschen. In denen, in denen drei von vier siezen, 12,4 Millionen.

Woran du eine Du-Anzeige sonst noch erkennst

Die Anrede ist ein Signal für eine ganze Art, Stellen auszuschreiben. Wir haben die 23 Berufe, deren Anzeigen mehrheitlich duzen (2.812 Anzeigen), mit den 32 Berufen verglichen, in denen weniger als jede vierte Anzeige duzt (4.147 Anzeigen). Die Unterschiede sind deutlich:

Merkmal der AnzeigeBerufe mit Du-MehrheitBerufe mit Sie-Mehrheit
Gehalt als Zahl genannt28,8 %19,0 %
Homeoffice angeboten18,2 %8,7 %
Quereinstieg ausdrücklich möglich15,3 %10,1 %
Einstieg ab sofort gewünscht28,2 %39,4 %
Ansprechperson mit Namen17,3 %23,4 %

Du-Anzeigen reden also öfter über Geld, Homeoffice und Quereinstieg, Sie-Anzeigen nennen öfter einen Namen und wollen häufiger jemanden sofort. Für deine Bewerbung heißt das: Bei einer Du-Anzeige findest du im Text meist mehr Anhaltspunkte für den Brief, bei einer Sie-Anzeige dafür öfter die Person, an die du ihn richtest. Eine Gemeinsamkeit gibt es: 95,7 Prozent aller Anzeigen gendern, unabhängig von der Anrede. Das Du ist also kein Zeichen für lockere Sprache insgesamt, sondern eine bewusste Entscheidung über Nähe.

Der Anteil bewegt sich übrigens kaum. Im Bewerbungsmarkt-Monitor lag er im September bei 35,4 Prozent, im Oktober bei 34,8 Prozent. Wer jetzt lernt, die Anrede richtig zu lesen, kann das Wissen lange nutzen.

Was das für deine Bewerbung heißt

1. Spiegle die Anrede der Anzeige, nicht die der Website. Duzt die Anzeige dich durchgehend, darfst du im Anschreiben duzen. Die Anrede bleibt trotzdem förmlich im Aufbau: „Hallo Frau Weber,“ oder „Liebe Frau Weber,“ statt „Hi Anna“. Der erste Satz kann dann so klingen: „Ihr sucht jemanden, der eure Social-Media-Kanäle vom Konzept bis zur Auswertung verantwortet. Genau das mache ich seit drei Jahren für eine Agentur mit vierzehn Kunden.“ Siezt die Anzeige, bleibt es beim „Sehr geehrte Frau Weber,“ und bei Ihnen, auch wenn die Karriereseite daneben duzt.

2. Ohne klare Anrede: Sie, mit einer Ausnahme. Rund jede zehnte Anzeige spricht niemanden direkt an, und ein kleiner Teil mischt beide Formen. Dann ist das Sie der sichere Standard. Die Ausnahme sind Marketing, Medien und Design, wo das Du in der Mehrheit der Anzeigen steht: Wer sich dort mit Sie bewirbt, wirkt nicht falsch, aber ein Stück weiter weg vom Team.

3. Du heißt nicht beliebig. Die Belegpflicht bleibt dieselbe. Ein Satz wie „Ich bin ein Teamplayer und total motiviert“ wird durch das Du nicht besser. Besser: „In meinem letzten Projekt habe ich drei Kampagnen für den Launch eines Onlineshops betreut, zwei davon mit Budgetverantwortung.“ Welche Formulierungen tragen, zeigt der Beitrag mit zehn Formulierungen, die dein Anschreiben sofort besser machen.

4. Such den Namen, besonders bei Du-Anzeigen. Sie-Anzeigen nennen zu 23,4 Prozent eine Ansprechperson, Du-Anzeigen nur zu 17,3 Prozent. Fehlt der Name, schau auf der Website nach der Person, die in der Anzeige mit „dein Team“ oder „wir“ gemeint ist. Findest du niemanden, ist „Liebes Team von Muster GmbH,“ bei einer Du-Anzeige in Ordnung, bei einer Sie-Anzeige bleibt es bei „Sehr geehrte Damen und Herren,“.

5. In Pflege, Verwaltung und Recht gilt das Sie, auch bei lockerer Anzeige. In Berufen mit Approbation, Amt oder Mandanten duzen nur wenige Anzeigen, und die Einrichtungen dahinter sind oft größer, als die Anzeige klingt. Wenn dort doch geduzt wird, ist die Anzeige meist von einer Agentur geschrieben. Dann ist ein höfliches Sie im Anschreiben nie falsch, das Du dagegen kann an der Station oder in der Kanzlei irritieren.

6. Nimm die Anrede mit ins Gespräch. Wer in der Anzeige duzt, duzt meistens auch im Vorstellungsgespräch. Du kannst das am Anfang klären, ohne dass es peinlich wird: „Bleiben wir beim Du aus der Anzeige?“ Wer das Sie gewohnt ist, übt den Wechsel vorher, zum Beispiel beim Vorstellungsgespräch üben mit konkreten Fragen zur Stelle.

Für den Brief selbst nimmt dir BewerbungGPT die mechanische Arbeit ab: Das Anschreiben entsteht aus der Anzeige und deinem Lebenslauf, übernimmt Firma, Position und Ansprechperson aus dem Anzeigentext und belegt jede Aussage mit einer Station aus deinem Werdegang. Den Ton wählst du, die Anrede passt du mit einem Klick an.

Methode und Quellen

  • Anteile der Anzeigen mit Du, Sie, Gehaltsangabe, Homeoffice, Quereinstieg, Eintritt ab sofort und Ansprechperson: Stellenanzeigen-Analyse 2026 von BewerbungGPT, 15.866 Anzeigen aus 135 Berufen aus der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, Stand 3. Oktober 2026. Eine Anzeige zählt als Du, wenn Du-Formen („du“, „dich“, „dir“, „dein“) mindestens dreimal vorkommen und deutlich häufiger als Sie-Formen („Sie“, „Ihnen“, „Ihr“ in Großschreibung), als Sie im umgekehrten Fall, als gemischt, wenn beide Formen mehrfach vorkommen; Anzeigen ohne direkte Ansprache bleiben unzugeordnet. Die Zählregeln stehen in der Methode der Datenseite. Berufsvergleiche nur für Berufe mit mindestens 50 Anzeigen. Die Jobbörse bildet Handwerk, Pflege und Verwaltung stärker ab als Konzerne mit eigenen Karriereseiten.
  • Vergleich Du-Mehrheit gegen Sie-Mehrheit: eigene Berechnung über die Berufe mit mindestens 50 Anzeigen, gewichtet nach Anzeigenzahl; Du-Mehrheit heißt mindestens 50 Prozent Du, Sie-Mehrheit weniger als 25 Prozent Du.
  • Monatswerte: Bewerbungsmarkt-Monitor, Ausgaben September und Oktober 2026.
  • Erwerbstätige im Inland nach Wirtschaftsbereichen, Jahr 2025: Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, GENESIS-Tabelle 81000-0123, abgerufen am 23. September 2026. Die Zuordnung der Wirtschaftsbereiche zu den Fachbereichen der Anzeigen ist eine eigene, grobe Näherung: „Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit“ zu Gesundheit und Pflege sowie Erziehung und Soziales, „Handel, Verkehr, Gastgewerbe“ zu Verkauf, Logistik und Gastronomie, „Information und Kommunikation“ zu IT und Daten sowie Marketing und Medien. Die Anteile sind auf die Gesamtzahl von 45,9 Millionen Erwerbstätigen bezogen.

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