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Ratgeber · Arbeitsmarkt

Pflege und Gesundheit 2026: Wo fast alle neuen Jobs entstehen und wie du dort reinkommst

Seit 2019 kamen in Deutschland 587.000 Erwerbstätige dazu, 579.000 davon im Gesundheits- und Sozialwesen. Was Pflege-Arbeitgeber in ihren Anzeigen verlangen, wo Quereinsteiger reinkommen und wie deine Bewerbung dort ankommt.

Herausgegeben von Maciej Giedzinski · 29. September 2026 · 8 min Lesezeit

Seit 2019 ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um 587.000 gestiegen. Rechnet man nach, wo diese Menschen arbeiten, bleibt eine überraschend einfache Antwort: 579.000 davon im Gesundheits- und Sozialwesen. In allen anderen Wirtschaftsbereichen zusammen arbeiten heute fast genauso viele Menschen wie vor sechs Jahren.

Für deine Bewerbung heißt das: Wenn du einen Bereich suchst, der seit Jahren verlässlich einstellt, führt kaum ein Weg an Pflege, Praxis und Klinik vorbei. Was die Arbeitgeber dort in ihren Anzeigen verlangen, unterscheidet sich allerdings deutlich vom Rest des Arbeitsmarkts.

Die Zahlen in Kürze

  • Von 2019 bis 2025 stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um 587.000, davon 579.000 im Gesundheits- und Sozialwesen. Außerhalb dieses Bereichs blieb sie mit 39,28 Millionen praktisch auf dem Stand von 2019. Quelle: Statistisches Bundesamt, VGR (GENESIS 81000-0123), eigene Berechnung.
  • Allein 2025 kamen im Gesundheits- und Sozialwesen 102.000 Erwerbstätige dazu, während die Gesamtzahl um 82.000 sank. Quelle: Statistisches Bundesamt, VGR (GENESIS 81000-0123).
  • In 3,6 Prozent der Stellenanzeigen für Gesundheit und Pflege heißen Arbeitgeber Quereinsteiger ausdrücklich willkommen, über alle Berufe sind es 12,2 Prozent. Eine abgeschlossene Ausbildung verlangen 57,9 Prozent. Quelle: Stellenanzeigen-Analyse 2026 von BewerbungGPT, September 2026.

Der Jobmotor, den man erst beim Nachrechnen sieht

Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen wirkt seit Jahren ruhig: 45,29 Millionen im Jahr 2019, 45,88 Millionen im Jahr 2025. Dahinter laufen zwei sehr unterschiedliche Entwicklungen. Das Gesundheits- und Sozialwesen ist in jedem einzelnen Jahr gewachsen, auch 2020, als der Rest der Wirtschaft schrumpfte. Außerhalb dieses Bereichs sank die Zahl der Erwerbstätigen erst, erholte sich dann und liegt 2025 wieder dort, wo sie 2019 stand.

Erwerbstätige (Jahresdurchschnitt)201920242025Veränderung 2019 bis 2025
Alle Wirtschaftsbereiche45.291.00045.960.00045.878.000+587.000
Gesundheits- und Sozialwesen6.019.0006.496.0006.598.000+579.000
Alle übrigen Bereiche39.272.00039.464.00039.280.000+8.000

Liniendiagramm: Erwerbstätige im Gesundheits- und Sozialwesen in Deutschland, von 5,50 Millionen im Jahr 2015 auf 6,60 Millionen im Jahr 2025, ohne Rückgang in einem Jahr

Über zehn Jahre betrachtet ist der Bereich um 20 Prozent gewachsen, von 5,50 auf 6,60 Millionen. Inzwischen arbeitet dort rund jeder siebte Erwerbstätige in Deutschland, 2015 war es noch jeder achte. Wichtig beim Lesen: Das Gesundheits- und Sozialwesen umfasst mehr als Pflege. Dazu gehören Kliniken und Arztpraxen, aber auch Kitas, Jugendhilfe und Beratungsstellen. Die feinere Aufteilung liegt bisher bis 2024 vor. Von 2019 bis 2024 wuchs das Gesundheitswesen im engeren Sinn um 216.000 Erwerbstätige, Heime und Sozialwesen, zu denen die Pflegeheime gehören, um 261.000.

Bei den Tarifen liegt der Bereich im Mittelfeld. Der Index der tariflichen Monatsverdienste ohne Sonderzahlungen stieg im Gesundheitswesen von August 2025 bis August 2026 um 2,6 Prozent, in der Gesamtwirtschaft um 2,2 Prozent und in den Heimen um 1,9 Prozent. Seit 2020 liegt das Plus im Gesundheitswesen bei 20,7 Prozent, in den Heimen bei 21,9 Prozent, in der Gesamtwirtschaft bei 18,4 Prozent. Der Index sagt, wie stark Tariflöhne gestiegen sind, nicht wie hoch sie sind.

Was Pflege-Arbeitgeber in ihren Anzeigen verlangen

Die amtlichen Zahlen sagen, dass eingestellt wird. Was dafür verlangt wird, steht in den Anzeigen. BewerbungGPT hat im September 3.251 Anzeigen aus 25 Berufen im Bereich Gesundheit und Pflege ausgewertet, von der Pflegefachkraft über die Medizinische Fachangestellte bis zum Notfallsanitäter, und mit allen ausgewerteten Anzeigen verglichen.

Merkmal der AnzeigeGesundheit und PflegeAlle Anzeigen
Abgeschlossene Ausbildung verlangt57,9 %41,6 %
Berufserfahrung verlangt39,0 %60,5 %
Quereinstieg ausdrücklich willkommen3,6 %12,2 %
Teilzeit erwähnt42,5 %24,1 %
Schicht-, Nacht- oder Wochenenddienst26,8 %20,6 %
Besetzung ab sofort37,6 %33,8 %
Fort- oder Weiterbildung erwähnt65,6 %48,5 %
Anschreiben ausdrücklich nicht nötig7,3 %4,5 %
Telefonnummer in der Anzeige45,8 %39,6 %

Drei Dinge fallen auf. Erstens zählt der Abschluss mehr als die Erfahrung. Knapp sechs von zehn Anzeigen verlangen eine abgeschlossene Ausbildung, aber nur 39,0 Prozent ausdrücklich Berufserfahrung, deutlich seltener als im Schnitt. Wer gerade das Examen gemacht hat, ist hier also nicht im Nachteil.

Zweitens ist der Quereinstieg ohne Abschluss schwerer als anderswo. Das liegt an der Sache: Die Berufsbezeichnungen Pflegefachkraft, Physiotherapeut oder Notfallsanitäter sind gesetzlich geschützt, dafür braucht es die Ausbildung. Die Türen für Quereinsteiger liegen daneben.

Drittens rechnen Arbeitgeber mit deinem Alltag. Teilzeit steht in 42,5 Prozent der Anzeigen, rund 1,8-mal so oft wie im Schnitt. Fort- und Weiterbildung kommen in zwei von drei Anzeigen vor, mal als Angebot, mal als Anforderung wie eine Fachweiterbildung. Außerdem verlangen die Anzeigen häufiger, was im Beruf zählt: Dokumentation in 29,1 Prozent (Schnitt 17,6 Prozent) und Empathie in 29,4 Prozent.

Wo Quereinsteiger reinkommen

Balkendiagramm: Anteil der Anzeigen, die Quereinsteiger ausdrücklich willkommen heißen, von 16,0 Prozent bei Kaufleuten im Gesundheitswesen bis 0,0 Prozent bei Physiotherapeuten, Gesundheit und Pflege insgesamt 3,6 Prozent, alle Anzeigen 12,2 Prozent

Innerhalb des Bereichs gibt es klare Einstiege. Bei Pflegehelfern heißen 13,2 Prozent der Anzeigen Quereinsteiger willkommen, bei Zahnmedizinischen Fachangestellten 14,3 Prozent, bei Kaufleuten im Gesundheitswesen 16,0 Prozent. Das sind Werte über dem Schnitt aller Berufe. Bei Pflegefachkräften sind es 2,1 Prozent, in der Altenpflege 0,9 Prozent.

Ein weiterer Einstieg kommt im Januar. Ab dem 1. Januar 2027 gibt es die neue bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung. Laut Bundesgesundheitsministerium dauert sie in der Regel 18 Monate in Vollzeit, ist vergütet und lässt sich verkürzen, insbesondere bei einschlägiger Berufserfahrung. Zugang gibt es in der Regel mit Hauptschulabschluss, bei positiver Prognose der Pflegeschule auch ohne. Wer heute als Pflegehelfer anfängt, hat damit einen geregelten Weg zum nächsten Abschluss.

Gehalt, Schicht und Führerschein: je nach Beruf sehr verschieden

Der Bereich ist nicht einheitlich, und das zeigt sich in den Anzeigen deutlich. Ein Gehalt als Zahl nennen 20,4 Prozent der Anzeigen in Gesundheit und Pflege, weniger als im Schnitt (24,7 Prozent). Bei Pflegefachkräften sind es aber 41,5 Prozent und in der Altenpflege 50,4 Prozent, bei Medizinischen Fachangestellten nur 11,9 Prozent. Schicht-, Nacht- oder Wochenenddienst steht in 52,1 Prozent der Anzeigen für Pflegefachkräfte, in 66,7 Prozent der Altenpflege-Anzeigen und in 81,3 Prozent beim Notfallsanitäter, dort verlangen außerdem 83,6 Prozent einen Führerschein. Und während im Schnitt 35,4 Prozent der Anzeigen duzen, sind es im Gesundheitsbereich 26,3 Prozent.

Was das für deine Bewerbung heißt

1. Stell deinen Abschluss nach vorn. Wo knapp sechs von zehn Anzeigen eine abgeschlossene Ausbildung verlangen, gehört sie in den ersten Absatz, mit Jahr und Einrichtung: „Im Juli habe ich mein Examen als Pflegefachfrau am Klinikum Musterstadt abgeschlossen.“ Frische Absolventen müssen sich nicht für fehlende Jahre entschuldigen, die Anzeigen fragen seltener danach.

2. Belege Dokumentation und Empathie mit einer Situation. „Ich bin empathisch“ liest jede Pflegedienstleitung dutzendfach. Stärker ist ein Satz wie: „Auf der Station habe ich die Pflegedokumentation für zwölf Bewohner geführt und bei Übergaben die Angehörigen informiert.“ Das beantwortet zwei Anforderungen auf einmal.

3. Sag klar, welche Arbeitszeit du willst. Weil Teilzeit und Schicht hier so häufig sind, sparst du beiden Seiten Zeit, wenn du im Schluss schreibst, welche Stunden oder Dienste du übernehmen kannst, und ab wann. Bei „ab sofort“ nenn ein konkretes Datum.

4. Als Quereinsteiger: Wähl die Tür, die offen steht. Pflegehilfe, Zahnarztpraxis oder Verwaltung im Gesundheitswesen suchen häufiger ausdrücklich Quereinsteiger. Zeig, was du mitbringst, das dort zählt: Umgang mit Menschen in schwierigen Momenten, Schichtarbeit, sorgfältiges Arbeiten mit Daten. Wenn du langfristig in die Pflege willst, sag das und nenn die Pflegefachassistenz als nächsten Schritt.

5. Nutze die Telefonnummer. In 45,8 Prozent der Anzeigen steht eine Telefonnummer. Ein kurzer Anruf zu Dienstmodell oder Einarbeitung zeigt echtes Interesse, und im Anschreiben kannst du dich darauf beziehen.

6. Schreib ein kurzes Anschreiben, auch wenn es nicht verlangt wird. Nur 7,3 Prozent der Anzeigen sagen ausdrücklich, dass es keins braucht. Bei den übrigen hilft dir eine knappe Seite, die auf genau diese Anzeige eingeht, gerade wenn dein Lebenslauf allein die Geschichte nicht erzählt, etwa beim Wechsel aus einem anderen Beruf. Mehr zu Aufbau und Beispielen steht im Ratgeber zur Bewerbung im Gesundheitswesen.

Genau hier setzt BewerbungGPT an. Das Anschreiben entsteht aus deinem Lebenslauf und der Anzeige, nimmt Eintrittstermin, Kennziffer und Ansprechperson auf und erfindet nichts dazu. Wer aus einem anderen Beruf kommt, findet auf der Seite zur Bewerbung als Quereinsteiger die passenden nächsten Schritte.

Methode und Quellen

  • Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen: Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Tabelle 81000-0123, abgerufen am 29. September 2026. Die jüngsten Jahre werden in den VGR noch überarbeitet. „Alle übrigen Bereiche“ ist eigene Berechnung (alle Wirtschaftsbereiche minus Gesundheits- und Sozialwesen).
  • Tarifverdienste: Statistisches Bundesamt, Index der tariflichen Monatsverdienste ohne Sonderzahlungen (2020 = 100), Tabelle 62231-0001, abgerufen am 29. September 2026, Stand August 2026.
  • Pflegefachassistenzausbildung: Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums zum Bundestagsbeschluss und Pressemitteilung vom 30. Juni 2026.
  • Anzeigen-Merkmale: Stellenanzeigen-Analyse 2026 von BewerbungGPT, 3.251 Anzeigen aus 25 Berufen im Fachbereich Gesundheit und Pflege, verglichen mit allen 15.934 ausgewerteten Anzeigen, Stand 20. September 2026, Zählregeln in der Methode dort. Je Beruf wurden höchstens 150 Anzeigen ausgewertet, die Anteile beschreiben also typische Anzeigen je Beruf, nicht die Zahl der offenen Stellen. Die Anzeigen stammen aus der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, die Handwerk, Pflege und Verwaltung stärker abbildet als Konzerne mit eigenen Karriereseiten. Die monatliche Fortschreibung steht im Bewerbungsmarkt-Monitor.

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