Ratgeber · Bewerbungsstrategie
Braucht man 2026 noch ein Anschreiben? Wir haben 15.934 Stellenanzeigen ausgezählt
„Anschreiben sind tot“, heißt es seit Jahren. Wir haben 15.934 aktuelle Stellenanzeigen mechanisch ausgezählt. Das Ergebnis: Nur 5 % verlangen ausdrücklich keins. Was in den übrigen 95 % steht und was Bewerber daraus machen sollten.
„Anschreiben sind tot.“ Der Satz fällt in jedem zweiten Karriere-Podcast, und er klingt nach Erleichterung: eine Seite weniger, die man schreiben muss. Nur stimmt er nicht mit dem überein, was in den Anzeigen selbst steht. Wir haben es nachgezählt: 15.934 aktuelle Stellenanzeigen aus 135 Berufen, abgerufen aus der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, mit festen Regeln per Skript ausgewertet. Die Zahlen, die Methode und die Tabellen je Beruf stehen in der Stellenanzeigen-Analyse 2026. Hier liest du, was sie für deine nächste Bewerbung bedeuten.
Die Kernzahl: nur 5 % sagen „kein Anschreiben“
Von 15.934 Anzeigen sagen 5 % ausdrücklich, dass kein Anschreiben nötig ist. Die Formulierungen sind eindeutig: „kein Anschreiben“, „Lebenslauf genügt“, „Kurzbewerbung“, „schick uns einfach deinen Lebenslauf“. Das ist die Gruppe, bei der du dir die Seite wirklich sparen kannst, und sie ist klein.
Weitere 3 % verlangen das Anschreiben ausdrücklich, meist als Teil „vollständiger Unterlagen“ mit Lebenslauf und Zeugnissen. Und 93 % sagen gar nichts dazu. Sie beschreiben die Stelle, die Aufgaben, die Benefits, und enden mit „Wir freuen uns auf deine Bewerbung“.
Diese 93 % sind der interessante Teil. Wer hier nur den Lebenslauf schickt, hat nichts falsch gemacht. Wer ein Anschreiben beilegt, hat als Einziger im Stapel erklärt, warum er auf genau diese Stelle passt. Bei 95 % aller Anzeigen kann das Anschreiben also für dich arbeiten. Das ist keine Pflicht, das ist ein Vorteil, den fast niemand nutzt.
Warum die Anzeige schweigt
Dass 93 % der Anzeigen keine Unterlagen nennen, hat einen einfachen Grund: Die meisten Texte entstehen in einem Bewerbermanagementsystem. Dort ist das Bewerbungsformular vorgegeben, und was hochgeladen werden soll, steht im Formular, nicht in der Anzeige. Die Anzeige verkauft die Stelle, das Formular sammelt die Unterlagen.
Für dich heißt das: Das Schweigen der Anzeige ist keine Absage an das Anschreiben. Es ist eine offene Tür. Und im Formular gibt es fast immer ein Feld oder einen Upload dafür.
Je Fachbereich: wo das Anschreiben ausdrücklich gefragt ist
Die Unterschiede zwischen den Berufen sind größer als die zwischen den Bundesländern. Ein Auszug aus der Tabelle je Fachbereich:
| Fachbereich | Anzeigen | Anschreiben verlangt | Ausdrücklich keins | Ansprechpartner mit Namen |
|---|---|---|---|---|
| Marketing, Medien und Design | 1.406 | 6 % | 3 % | 13 % |
| Erziehung und Soziales | 1.613 | 5 % | 2 % | 20 % |
| Büro und Organisation | 2.618 | 4 % | 3 % | 24 % |
| IT und Daten | 1.220 | 4 % | 4 % | 25 % |
| Gesundheit und Pflege | 3.251 | 2 % | 7 % | 23 % |
| Verkauf und Kundenkontakt | 1.214 | 2 % | 3 % | 16 % |
| Einstieg und Wechsel | 286 | 2 % | 1 % | 15 % |
| Handwerk und Technik | 1.865 | 2 % | 7 % | 20 % |
| Finanzen und Zahlen | 914 | 2 % | 4 % | 20 % |
| Gastronomie und Hotel | 531 | 1 % | 2 % | 14 % |
| Logistik und Transport | 809 | 0 % | 6 % | 17 % |
In Erziehung und Sozialem sowie in Marketing und Medien wird das Anschreiben am häufigsten verlangt. Beide Bereiche wollen wissen, wie jemand schreibt und warum er sich für genau diese Einrichtung oder Agentur entscheidet. In Logistik, Gastronomie und Handwerk sagen die Anzeigen am seltensten etwas dazu, dort geht es schnell und oft über WhatsApp oder ein Zwei-Minuten-Formular. Auch dort schadet ein kurzes Anschreiben nicht, aber es darf kurz sein: drei Absätze, kein Roman.
Die vier Angaben, die Bewerber übersehen
Das Anschreiben ist nur ein Teil des Befunds. Spannender ist, was sonst in den Anzeigen steht und in kaum einem Brief landet.
20 % nennen einen Ansprechpartner mit Namen. Das sind 3.219 Anzeigen, in denen eine Person mit Vor- und Nachnamen steht, oft mit Telefonnummer. Wer dann mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ beginnt, zeigt, dass er die Anzeige nicht bis zum Ende gelesen hat. Der Name gehört in die Anrede und ins Empfängerfeld.
14 % führen eine Kennziffer oder Referenznummer. Über diese Nummer sortieren Personalabteilungen die eingehenden Bewerbungen. Fehlt sie im Betreff, landet der Brief im falschen Stapel oder gar nicht bei der Stelle. Sie steht hinter der Position: „Bewerbung als Sachbearbeiterin, Kennziffer 2026-114“.
36 % nennen einen Eintrittstermin, 34 % suchen „ab sofort“ oder „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Die Antwort darauf gehört in den letzten Absatz: dein frühestmöglicher Eintritt und, wenn du noch in Stellung bist, deine Kündigungsfrist. Wer das weglässt, zwingt den Arbeitgeber zum Nachfragen.
35 % duzen, 53 % siezen. Die Anrede der Anzeige verrät die Kultur des Hauses. Ein Brief an ein Unternehmen, das dich duzt, darf persönlicher klingen als einer an eine Behörde. Er bleibt trotzdem ein Geschäftsbrief nach DIN 5008, mit Betreff, Anrede und Grußformel. Kumpelhaft wird es nie.
Dazu eine Zahl, die viele überrascht: Nur 1 % der Anzeigen verlangen ausdrücklich ein Foto. Ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland freiwillig. Wo es verlangt wird oder branchenüblich ist, entscheidet es trotzdem mit über den ersten Eindruck. Was dafür gilt, steht im Ratgeber zum Bewerbungsfoto.
Was die Anzeigen im Profil verlangen
Über alle Berufe stehen dieselben Wörter oben: Berufserfahrung in 61 % der Anzeigen, Engagement und Motivation in 47 %, Flexibilität in 45 %, Teamfähigkeit in 45 %, eine abgeschlossene Ausbildung in 42 %. Das sind die weichen Anforderungen, und sie haben eine Eigenschaft: Jeder behauptet sie, fast niemand belegt sie.
Genau hier trennt sich ein gutes Anschreiben von einem austauschbaren. „Ich bin teamfähig“ ist ein Wort. „Im Frühdienst habe ich die Übergabe an das Spätteam übernommen, weil die Stationsleitung im Urlaub war“ ist ein Beleg. Ein Satz mit Beispiel zählt mehr als drei Adjektive. Wie du die Anforderungen einer Anzeige in Muss und Kann zerlegst, steht im Ratgeber Passe ich auf die Stelle?, und welche Formulierungen du dabei vermeidest, im Beitrag zu besseren Formulierungen im Anschreiben.
Die harten Anforderungen unterscheiden die Berufe: Bei Pflegefachkräften steht Dokumentation in 70 % der Anzeigen, bei Köchen Hygiene und HACCP in 71 %. Je Beruf zeigen unsere Anschreiben-Muster nach Beruf die häufigsten Anforderungen aus genau diesen Anzeigen, direkt neben den Bausteinen für den Brief.
So entscheidest du in dreißig Sekunden
- Steht „kein Anschreiben“, „Kurzbewerbung“ oder „nur Lebenslauf“ in der Anzeige? Dann lass es weg und steck die Zeit in den Lebenslauf. Das sind 5 % der Fälle.
- Steht „vollständige Unterlagen“, „Anschreiben“ oder „Motivationsschreiben“ drin? Dann ist es Pflicht, und zwar mit den Angaben, die die Anzeige nennt: Ansprechpartner, Kennziffer, Eintrittstermin.
- Steht nichts dazu? Dann schreib eins, aber ein kurzes: ein Einstieg, der zur Stelle gehört, zwei Belege aus deinem Lebenslauf, ein Satz zum Arbeitgeber, dein Eintrittstermin. Eine halbe bis eine Seite. Damit hast du erklärt, was der Lebenslauf allein nicht erklären kann.
Was in einer Bewerbung auf eine konkrete Anzeige sonst noch zählt, steht im Ratgeber zur Bewerbung auf eine Stellenanzeige.
Wie wir gezählt haben
Damit die Zahlen nachprüfbar bleiben, in Kürze: Wir haben zu 135 Berufen aus unserer Übersicht bis zu 150 aktuelle Anzeigen aus der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit abgerufen, Dubletten und Arbeitsorte außerhalb Deutschlands entfernt und 15.934 Anzeigentexte mit festen Wortlisten ausgezählt. „Verlangt“ heißt: Anschreiben, Motivations- oder Bewerbungsschreiben wird genannt, ohne dass die Anzeige es ausschließt. „Nicht nötig“ heißt: Die Anzeige sagt es ausdrücklich. Ansprechpartner zählen nur mit Namen. 30 Zufallsanzeigen haben wir von Hand gegengelesen und die Regeln daran nachgeschärft. Die vollständige Methode, die Tabellen je Beruf und Bundesland und die Rohdaten als CSV stehen auf der Seite zur Erhebung. Zitieren mit Quellenangabe ist erwünscht.
Und dann: schreiben lassen
Die vier Angaben aus der Anzeige sind genau das, was der Anschreiben-Generator von BewerbungGPT automatisch einbaut: Er liest Ansprechpartner, Firma und Anschrift aus der Anzeige in den Briefkopf, setzt die Kennziffer in den Betreff, nennt deinen Eintrittstermin im Schluss und belegt die Anforderungen mit Stationen aus deinem Lebenslauf statt mit Adjektiven. Du fügst die Anzeige ein, auch per Link, und siehst zu, wie der Brief entsteht. Das erste Anschreiben ist gratis, ohne Konto.
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