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Ratgeber · Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt im September 2026: Unter drei Millionen, und die Eile kommt aus der Zeitarbeit

Im September waren 2.994.415 Menschen arbeitslos, nach Juli und August wieder unter drei Millionen. Gleichzeitig wollen mehr Stellenanzeigen ab sofort besetzen. Unsere Auswertung zeigt, woher diese Eile kommt und wie du sie nutzt.

Herausgegeben von Maciej Giedzinski · 6. Oktober 2026 · 8 min Lesezeit

Im September waren in Deutschland 2.994.415 Menschen arbeitslos gemeldet, 66.981 weniger als im August. Die Zahl liegt damit wieder unter drei Millionen, wie zuletzt im Juni. Gleichzeitig haben wir in zwei Erhebungen im Abstand von knapp zwei Wochen gesehen, dass mehr Stellenanzeigen einen Start ab sofort verlangen. Wer nachrechnet, findet für beides eine nüchterne Erklärung, und für Bewerber eine brauchbare Spur.

Die Zahlen in Kürze

  • Im September 2026 waren 2,99 Millionen Menschen arbeitslos, 1,3 Prozent mehr als im September 2025; der Rückgang zum August entspricht dem üblichen Herbstmuster. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Destatis GENESIS 13211-0002).
  • Bei der Bundesagentur waren 659.691 Stellen gemeldet, 4,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ohne Nordrhein-Westfalen, wo Stellen der Bundeswehr den Bestand stark erhöhen, sind es 1,1 Prozent weniger. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnung.
  • Der Anteil der Stellenanzeigen mit Start „ab sofort“ stieg zwischen dem 20. September und dem 3. Oktober von 33,8 auf 35,6 Prozent. Der Zuwachs kommt fast vollständig aus 22 Berufen, in denen überwiegend Zeitarbeitsfirmen inserieren. Quelle: Stellenanzeigen-Analyse von BewerbungGPT, Jobbörse der Bundesagentur.

Was die Bundesagentur für September meldet

Dass die Arbeitslosigkeit im September sinkt, ist jedes Jahr so. Ausbildungen beginnen, und viele Betriebe stellen nach der Urlaubszeit wieder ein. Im September 2025 sank die Zahl der Arbeitslosen von August auf September sogar um 70.389, also etwas stärker als jetzt. Die Bundesagentur rechnet diesen Saisoneffekt heraus und kommt für September 2026 auf ein Plus von 12.000 Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat. Sie selbst spricht von einer Herbstbelebung, die ohne Schwung beginnt.

KennzahlSeptember 2025August 2026September 2026
Arbeitslose2.954.7473.061.3962.994.415
Arbeitslosenquote6,3 %6,5 %6,4 %
Gemeldete Arbeitsstellen629.638656.481659.691
Arbeitslose je gemeldeter Stelle4,74,74,5
Gemeldete Stellen ohne Nordrhein-Westfalen502.972495.285497.541

Die Zeile mit den Arbeitslosen je Stelle sieht gut aus: 4,5 statt 4,7 vor einem Jahr. Sie hängt aber an Nordrhein-Westfalen. Dort sprang der Bestand an gemeldeten Stellen von 127.146 im Januar auf 155.456 im Februar und liegt seither auf diesem Niveau, im September bei 162.150. Die Regionaldirektion der Bundesagentur erklärte den hohen Bestand in ihrem Bericht für August mit einem sehr hohen Stellenzugang der Bundeswehr, deren Stellen am Ort der Rekrutierung in Köln gezählt werden.

Rechnet man Nordrhein-Westfalen heraus, kommen im übrigen Bundesgebiet 4,4 Arbeitslose auf eine Stelle, vor einem Jahr waren es 4,3. Die gemeldeten Stellen liegen dort 5.431 unter dem Vorjahr, ein Minus von 1,1 Prozent. Im August waren es noch 1,8 Prozent. Der Abstand schrumpft also, und von August auf September kamen außerhalb von Nordrhein-Westfalen 2.256 gemeldete Stellen dazu. Das ist kein Aufschwung, aber eine Richtung, die für Bewerbungen im Herbst eher hilft als schadet.

Was die Anzeigen zwischen zwei Erhebungen verraten

BewerbungGPT wertet jeden Monat Stellenanzeigen aus der Jobbörse der Bundesagentur aus, je Beruf bis zu 150 aktuelle Anzeigen aus 135 Berufen. Die Erhebung vom 20. September umfasste 15.934 Anzeigen, die vom 3. Oktober 15.866. Gezählt wird mit festen Regeln, zum Beispiel ob eine Anzeige „ab sofort“, „nächstmöglich“ oder „schnellstmöglich“ als Eintritt nennt, ob sie ein Gehalt als Zahl angibt und ob der Arbeitgeber laut Jobbörse ein Zeitarbeitsunternehmen ist.

Auf den ersten Blick hat sich wenig bewegt. Der Anteil der Anzeigen mit Start ab sofort stieg von 33,8 auf 35,6 Prozent, der Anteil mit Gehaltszahl von 24,7 auf 26,4 Prozent, der Anteil aus der Zeitarbeit von 23,6 auf 24,9 Prozent. Interessant wird es, wenn man die Berufe danach sortiert, wie stark dort Zeitarbeitsfirmen inserieren.

Balkendiagramm: Anteil der Anzeigen mit Start ab sofort. Berufe mit viel Zeitarbeit von 27,3 auf 36,7 Prozent, Berufe mit etwas Zeitarbeit von 33,1 auf 34,7 Prozent, Berufe mit wenig Zeitarbeit von 36,0 auf 35,7 Prozent

In 22 Berufen kommt im Mittel beider Erhebungen mehr als die Hälfte der Anzeigen von Zeitarbeitsfirmen. Dort stieg der Anteil mit Start ab sofort von 27,3 auf 36,7 Prozent. In den 79 Berufen mit weniger als einem Fünftel Zeitarbeit blieb er praktisch gleich, 36,0 und 35,7 Prozent. Rechnet man in Anzeigen statt in Prozent, wird es noch deutlicher: Insgesamt nannten am 3. Oktober 262 Anzeigen mehr einen sofortigen Start als am 20. September. Allein in den Zeitarbeitsberufen waren es 272 mehr. Die gesamte Zunahme kommt also aus diesem Teil des Marktes.

Mit der Eile kommt dort auch Klarheit beim Geld. In den Zeitarbeitsberufen nannten 58,8 Prozent der Anzeigen ein Gehalt als Zahl, nach 48,9 Prozent zwei Wochen zuvor. In den Berufen mit wenig Zeitarbeit sind es unverändert rund 16 Prozent.

Handwerk und Technik: zwei Märkte unter einem Namen

Am stärksten zeigt sich das im Fachbereich Handwerk und Technik, mit 1.922 Anzeigen in der Oktober-Erhebung. Dort stieg der Anteil mit Start ab sofort von 30,8 auf 40,7 Prozent. Hinter diesem Durchschnitt stehen zwei verschiedene Märkte.

BerufAnteil ZeitarbeitAb sofort am 20.09.Ab sofort am 03.10.Gehalt als Zahl am 03.10.
Mechatroniker92,8 %16,9 %54,3 %71,0 %
Schweißer95,1 %25,8 %60,6 %73,9 %
Tischler92,2 %38,7 %60,3 %74,1 %
Anlagenmechaniker SHK25,3 %39,5 %40,0 %33,3 %
Landschaftsgärtner4,2 %34,7 %36,1 %15,3 %
Dachdecker6,6 %44,4 %37,7 %14,8 %

In den Handwerksberufen, die überwiegend über Zeitarbeit ausgeschrieben werden, stieg der Anteil mit sofortigem Start von 26,6 auf 43,0 Prozent, der Anteil mit Gehaltszahl von 53,0 auf 66,6 Prozent. In den übrigen Handwerksberufen, etwa Anlagenmechaniker SHK, Dachdecker oder Maurer, blieb beides nahezu gleich: 37,9 und 36,9 Prozent ab sofort, 19,7 und 20,9 Prozent mit Gehaltszahl. Dort inserieren überwiegend die Betriebe selbst, und sie schreiben selten in die Anzeige, was sie zahlen.

Dass die Zeitarbeit so viel Gewicht hat, passt zu den amtlichen Zahlen. Laut Bundesagentur gingen im April 2026 rund 20 Prozent aller gemeldeten Stellen auf Zeitarbeitsunternehmen zurück. In unserer Oktober-Erhebung sind es 24,9 Prozent. Ein Grund dürfte sein, dass wir je Beruf eine feste Zahl von Anzeigen erfassen und in industriellen Berufen wie Schweißer oder Mechatroniker fast jede davon von einem Personaldienstleister stammt.

Was wir nicht wissen: ob die Zeitarbeitsfirmen im Herbst tatsächlich mehr Personal suchen oder ihre Anzeigen nur neu und dringlicher formulieren. Die Daten zeigen den Wortlaut der Anzeigen, nicht die Zahl der Einstellungen. Für deine Bewerbung reicht aber, was sie zeigen: Wo Zeitarbeit sucht, geht es gerade schnell und mit offenem Gehalt.

Was das für deine Bewerbung heißt

1. Lies zuerst, wer inseriert. Steht in der Anzeige ein Personaldienstleister, ist dein Gegenüber ein Disponent, der Stellen bei mehreren Kundenbetrieben besetzt. Er braucht von dir vor allem drei Dinge schnell: was du kannst, ab wann du verfügbar bist und wo du arbeiten kannst. Stell genau das im Lebenslauf nach vorn und halte das Anschreiben kurz.

2. Antworte auf „ab sofort“ mit einem Datum. Ein Satz wie „Ich kann ab dem 20. Oktober beginnen, Schichtarbeit ist für mich kein Problem“ beantwortet die erste Frage des Arbeitgebers. Bei Anzeigen mit sofortigem Start zählt Tempo, also bewirb dich innerhalb weniger Tage.

3. Nutze die Gehaltszahl, statt sie nur zu lesen. Wo zwei Drittel der Anzeigen ein Gehalt nennen, kannst du Angebote vergleichen, bevor du dich bewirbst. Frag im Gespräch nach dem Kundenbetrieb, nach Zuschlägen und danach, ob eine Übernahme vorgesehen ist. Das ist keine unverschämte Frage, sondern der übliche Teil eines solchen Gesprächs, und du kannst sie im Vorstellungsgespräch üben.

4. Bei Handwerksbetrieben ohne Gehaltsangabe: bereite die Gehaltsfrage vor. Bei Dachdeckern, Landschaftsgärtnern oder SHK-Betrieben nennt nur etwa jede siebte bis dritte Anzeige eine Zahl. Hier lohnt es sich, deinen Wunsch vorher zu kennen und im Anschreiben nur dann zu nennen, wenn die Anzeige danach fragt.

5. Schreib an den Betrieb anders als an die Zeitarbeitsfirma. Ein Handwerksbetrieb sucht jemanden, der ins Team passt und bleibt. Dort wirkt ein kurzes Anschreiben mit einem konkreten Beispiel aus deiner Arbeit, etwa eine Baustelle, die du eigenständig abgeschlossen hast, oder ein Kundendienst-Einsatz, bei dem du einen Fehler gefunden hast. Greif zwei Anforderungen aus der Anzeige auf und belege jede mit einer Station aus deinem Lebenslauf.

6. Halte deine Unterlagen für beide Wege bereit. Für Zeitarbeit reicht oft ein Lebenslauf mit Qualifikationen, Scheinen und Führerschein auf der ersten Seite. Für den Direktbetrieb kommt ein Anschreiben dazu. Wenn beides fertig auf dem Rechner liegt, bist du bei Anzeigen mit sofortigem Start in der ersten Runde dabei.

Für genau diese zwei Wege ist BewerbungGPT gebaut: Im Lebenslauf-Editor bringst du Qualifikationen und Verfügbarkeit nach vorn, und das Anschreiben übernimmt Eintrittstermin, Kennziffer und Ansprechperson aus der Anzeige, geschrieben nur aus dem, was in deinem Lebenslauf steht.

Methode und Quellen

  • Arbeitslose, Arbeitslosenquote und gemeldete Arbeitsstellen für Deutschland: Statistik der Bundesagentur für Arbeit über Destatis GENESIS, Tabelle 13211-0002, abgerufen am 6. Oktober 2026.
  • Werte für Nordrhein-Westfalen: Destatis GENESIS, Tabelle 13211-0008, abgerufen am 6. Oktober 2026. Werte ohne Nordrhein-Westfalen und Arbeitslose je gemeldeter Stelle sind eigene Berechnung (Arbeitslose geteilt durch gemeldete Arbeitsstellen im selben Monat).
  • Saisonbereinigte Veränderung und Zitat zur Herbstbelebung: Presseinfo der Bundesagentur für Arbeit „Arbeitsmarkt im September 2026“ vom 30. September 2026.
  • Bundeswehr-Effekt: Monatsbericht der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit, August 2026.
  • Anteil der Zeitarbeit an den gemeldeten Stellen: Kurzinfo BA-X der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, April 2026.
  • Anzeigen-Werte: Stellenanzeigen-Analyse 2026 von BewerbungGPT und Bewerbungsmarkt-Monitor, Erhebungen vom 20. September (15.934 Anzeigen) und 3. Oktober 2026 (15.866 Anzeigen), je Beruf bis zu 150 Anzeigen aus der Jobbörse der Bundesagentur. „Zeitarbeit“ heißt: Die Jobbörse kennzeichnet die Anzeige als Arbeitnehmerüberlassung. Die Gruppen sind nach dem mittleren Zeitarbeitsanteil eines Berufs in beiden Erhebungen gebildet (mindestens 50 Prozent, 20 bis 50 Prozent, unter 20 Prozent), die Gruppenwerte nach Zahl der Anzeigen gewichtet. Die Jobbörse bildet Handwerk, Pflege und Verwaltung stärker ab als Konzerne mit eigenen Karriereseiten. Zwei Erhebungen im Abstand von 13 Tagen zeigen eine Momentaufnahme, keinen Trend.

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